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Zusammenfassung meines Interviews vom April 1996 anläßlich einer Fachtagung für Dialysepersonal in Erfurt

Im Rahmen der 5.Mitteldeutschen Dialyse-Fachtagung für Pflegekräfte und Ärzte in Erfurt wurde ich als Patient, der 25 Jahre erfolgreiche Hämodialysebehandlung durchführt,von Herrn Prof. Dr. H. Thiele (Klinikum Erfurt) eingeladen, um Rede und Antwort bei den Pflegekräften bez. Ärzten zu stehen. Da mein Interview erst gegen 17.30 Uhr geplant war, hatte ich genügend Zeit Vorträge anzuhören,eine sehr interessante Ausstellung historischer Dialysegeräte zu besuchen, die neuesten Produkte auf dem Dialysemarkt einiger Aussteller anzusehen und mit den Kollegen/innen der Erfurter Interessengemeinschaft der Dialysepatienten am Informationsstand zu treffen.
Nachdem Herr Gilmer, der Bundesvorsitzende des Verbandes seinen Vortrag über die Arbeit im Verband und über die Zeitschrift der Dialysepatient beendet hatte, begann Herr Prof. Thiele mit seinen Fragen.

links: Prof. Dr. Thieler

unten: Herr Gilmer und ich

Einleitend gab ich den Zuhörern einen Rückblick in meine Dialysegeschichte. Erstaunen versetze ich die Zuhörer, als ich mit Zahlen belegte, wie viel Zeit ununterbrochen man in 25 Jahren an der Maschine verbringt.Man höre und staune: das sind 23400 Stunden, oder 975 Tage, oder 2 1/2 Jahre durchweg Dialyse. Als Ötzi der Dialyse würde ich mich nicht sehen, da ich in meinem Freundeskreis einige Leute kenne, die schon mehr als 20 Jahre dialysieren.

Durch die moderne Medizin, verbesserte Dialysegeräte, fachliche medizinischen Betreuung und der lieben Pflege meiner Ehefrau (früher meiner Eltern) bin ich heute hier in der Lage Frage und Antwort zu stehen:

In meiner Dialysezeit gab es Höhen und Tiefen. Mit Shunt-OP's bin ich leider nicht verschont geblieben und ich rechne mit einer erneuten Shunt-OP in der nächsten Zeit. Aber zum Glück vergißt man schnell die Zeiten, die nicht so schön für einen waren. Und ein bischen Glück muß man zusätzlich auch haben.

oben von links: Frau Schulz, ich, Herr Gilmer und meine Frau Beate

Auf die Frage: "Welche Art der Dialyse ich mache" antwortet ich, daß für mich zur Zeit nur die Heim-Hämodialyse in Frage käme. Die erste Hälfte meines Dialyselebenslaufs wurde ich in der Chirurgie in Heidelberg und im Rehazentrum Wieblingen behandelt. Im September 1983, als ich mit meiner Freundin zusammen zog, war für uns klar, nur eine Heimdialyse käme für mich in Frage, als eine annehmbare Lösung. Als wir 1994 heirateten und nach Ingelheim in ein eigenes Haus mit einem extra Zimmer mit Wasser- und und Stromanschluß für die Dialyse zogen,waren wir froh, daß es die Möglichkeit gibt, gewisse Freiheit und Ungebundenheit an bestimmte Dialysezeiten zu Hause zu haben. Da wir beide berufstätig sind und erst gegen Abend zu Hause sind, wäre es zu schade, wenn ich anschließend noch zur Dialyse ins Kuratorium müßte. Wir würden uns nur noch selten sehen; hätten kaum noch Zeit füreinander und könnten unsere begrenzte Freizeit nicht zusammen verbringen. Meistens dialysiere ich spät am Abend, am Wochende auch mal ganz früh morgens. Meine Freizeit - für mich als Berufstätiger als höchstes Gut anzusehen- möchte ich nicht durch die Dialysebehandlung opfern, deshalb ist die Heimdialyse für mich persönlich zur Zeit die beste Lösung.

"Könnte ich mir vorstellen, CAPT-Behandlung zu machen? Die Abhängigkeit wäre bei dieser Behandlung auch nicht so gegeben?" kam eine Frage aus den Reihen der Schwestern. Darauf antwortete ich, daß ich mich mit dieser Behandlungsmethode noch nicht befaßt habe. Aber grundsätzlich bin ich dafür, wenn ich aufgrund von Shunt- oder andere Probleme keine Möglichkeit mehr hätte, Hämodialysebehandlung machen zu können.

"Gab es schon einmal während der Dialyse Probleme mit der Maschine?" fragte man mich. Meine Dialysemaschine, mit der ich schon seit 7 Jahren dialysiere und diese in der Heimdialyse erfolgreich eingesetzt wird, hat mich während einer Dialyse noch nie im im Stich gelassen,außer als es einmal in der Nachbarschaft brannte,und die Feuerwehr viel Löschwasser benutzte, sodaß ich keinen Wasserfluß zum Dialysieren mehr hatte.

"Wie lange und wie oft dialysieren Sie in der Woche?" Ich dialysiere 3 mal die Woche 5 Stunden.Manchmal wird es auch schon mal länger, wenn ich die Abhängzeit verschlafe oder noch einen Film im Fernsehen azu Ende sehen möchte.

"Könnte ich mir vorstellen, täglich 2 - 3 Stunden zu dialysieren? "Darauf antworte ich, daß ich mir das theoretisch vorstellen kann aber praktisch kaum durchführbar sei. Aufgrund der Doppelpunktionen jeden Tag würden man sicher im Laufe der Zeit den Shunt zu sehr belasten und Komplikationen könnten auftreten. Außerdem würden die Dialysekosten rapide ansteigen, sodaß ich glaube,daß es mit der heutigen, mir bekannten Hämodialysemethode nicht realisierbar wäre.

Herr Prof. Thieler bedankte sich für das interessante Interview und wünschte mir für meine Zukunft weiterhin alles Gute.